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Maßlos

In dem Prozess um die Steuerhinterziehung des Uli Hoeneß ist Maßlosigkeit das richtige Schlagwort. Die Maßlosigkeit hat in diesem Fall gleich drei Dimensionen:

  • Wer 27,2 Millionen Euro Steuern hinterzieht, hat jedes Maß und den Bezug zur Realität verloren. Uli Hoeneß geht dafür zu Recht ins Gefängnis und muss dort eine gerechte Strafe verbüßen. Das Urteil und die zu zahlenden Beträge sind hart, aber gerecht.
  • Maßlos ist allerdings auch das Medien-Spektakel rund um den Hoeneß-Prozess. Wer braucht diese ganzen Live-Ticker, Brennpunkte und aufgeregten Debatten? Der Mann ist verurteilt, er wird seine Strafe verbüßen und verdient nach der Zeit im Gefängnis eine Rückkehr ins gesellschaftliche Leben. Unser Strafrecht kennt nicht nur Härte und Strafe, sondern auch Resozialisierung. Diese verdient auch ein Uli Hoeneß.
  • Auch all diejenigen, die sich mit Schaum vor dem Mund über Herrn Hoeneß aufregen, sollten bei der Steuer-Ehrlichkeit das gleiche harte Maß an sich selbst anlegen. Noch nie den Handwerker gefragt, ob etwas «ohne Rechnung» geht, den Friseur privat ins Haus geholt oder schnell mal bar auf die Kralle etwas kassiert? Wer so ehrlich durchs Leben geht, darf weiter Gift und Galle spucken. Alle anderen, die selbst nicht ehrlich sind, laufen Gefahr, maßlos zu urteilen. Natürlich ist die Summe des hinterzogenen Gelds besonders hoch. Ich wage aber die Behauptung, dass jemand, der bei 250 Euro Steuern hinterzieht, dieses vielleicht auch machen würde, wenn er mit größeren Summen jongliert.

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